Teil 4: Das Spiegellabyrinth
Teil 4: Das Spiegellabyrinth
Ich weiß nicht mehr, wie ich aus dem Krankenzimmer entkommen bin. Vielleicht bin ich nie wirklich dort gewesen. Vielleicht war es nur eine Erinnerung, eingepflanzt von… ihm.
Der Clown.
Er ist keine Person. Kein Mensch. Kein Ding. Er ist eine Idee. Eine Krankheit. Ein Echo im Dunkeln, das sich in deinem Kopf einnistet, bis du ihn überall siehst – in Spiegeln, in Schatten, in deinem eigenen Lächeln, das plötzlich nicht mehr aufhört.
Ich folgte einem Gang aus zerschnittenen Luftballons. Sie klebten an den Wänden wie Haut. Ihre Oberfläche pulsiert noch. Als wäre da etwas Lebendiges darunter. Am Ende: eine Tür aus poliertem Metall. Darauf stand:
"Lächeln ist Pflicht."
Ich trat durch.
Ein Spiegellabyrinth.
Die Gänge eng. Alles kalt. Ich konnte mich sehen, überall. Doch keiner meiner Spiegelbilder bewegte sich wie ich. Manche blieben stehen, während ich ging. Andere fingen an zu tanzen. Und eines… weinte.
Ich ging weiter. Das Licht flackerte. Ich konnte meinen Atem sehen – obwohl es nicht kalt war. Und plötzlich hörte ich sie: Stimmen.
„Er beobachtet dich.“
„Du kannst ihn nicht mehr aus dir rauskratzen.“
„Du warst schon immer ein Teil vom Park.“
Ich begann zu rennen. Ich stieß gegen die Spiegel. Manche zerbrachen. Andere fühlten sich an wie Fleisch. Warm, feucht. Ich hinterließ blutige Handabdrücke, wusste aber nicht mehr, ob es mein Blut war.
Und dann stand ich ihm gegenüber.
Nicht in echt. Im Spiegel. Aber es war mein Gesicht. Nur… falsch. Die Haut schien festgetackert, die Augen weit aufgerissen, der Mund genäht – aber das Lächeln ging von Ohr zu Ohr. Es flüsterte.
„Du bist schön geworden.“
Ich schlug gegen das Glas. Es zersprang. Etwas zog mich hindurch. Ich fiel. Wieder.
Und wachte auf.
Ich lag auf einem Operationstisch. Um mich herum: Clowns. Sie hatten keine Gesichter – nur Masken aus den Gesichtern anderer. Eins davon war meines.
„Er will dich perfekt machen…“
Ich schrie. Sie begannen zu nähen. Durch meine Finger. Meine Lippen. Mein Bauch wurde aufgeschnitten, und ich sah, wie sie Watte hineinstopften. Als wäre ich eine Puppe.
Aber das Schlimmste: Ich lächelte.
Ich wollte es. Ich verstand endlich. Das Labyrinth zeigt dir nicht dich selbst. Es zeigt dir, was du tief in dir immer warst.
Ein Abbild von ihm.
Ein Kind des Clowns.
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