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Der Flüsterboden

Der Flüsterboden Ich hatte nie vor, in dieses Haus zu gehen. Es war eines von diesen alten Gründerzeitgebäuden in einer halb verfallenen Straße, die jeder in meiner Stadt kennt, aber keiner mehr betritt. Es hieß, das Dach sei vor Jahrzehnten eingestürzt und der Besitzer spurlos verschwunden. Doch das Seltsame war: Immer, wenn man vorbeiging, hörte man etwas – ein leises, trockenes Murmeln, das aus dem Boden drang. Nicht von unten, sondern direkt aus dem Bodenbrett, auf dem du standest. --- 1 – Der erste Schritt Es begann an einem regnerischen Samstag. Ich war mit meiner Kamera unterwegs, um verlassene Orte zu fotografieren. Urbex, wie man es nennt. Mein Kumpel Leon wollte nicht mitkommen – er meinte, das Haus hätte „Flüsterboden“ und er wolle nicht „mitreden müssen“. Ich hielt das für eine dumme urbane Legende. Das Vorzimmer war dunkel, staubig, und das Holz knarrte bei jedem Schritt. Dann – bei der dritten Diele – passierte es. Es sprach. Eine Stimme, als würde sie durch drei Meter Er...

Sie spielen wieder - Teil 2

  Kapitel 1 – Die Einladung Zwei Jahre sind vergangen, seit Maja verschwunden ist. Zwei Jahre seit der letzten Nacht, in der ich sie sah. Es war nicht einfach ein Verschwinden im klassischen Sinn – es war ein Löschen . Als hätte sie nie existiert. Keine Spuren, keine Hinweise, nur eine Stille, die tiefer schnitt als jedes Messer. Und doch... ich erinnere mich an alles. An das Spielzeug. An Emmaline. An die Stimmen. Die Spieluhr mit dem vertrockneten Rosenmuster, die nachts zu spielen begann, obwohl niemand sie aufgezogen hatte. Und an das Flüstern, das immer nach dem letzten Ton kam. Ein Flüstern, das meinen Namen kannte. Ich dachte, ich hätte es hinter mir gelassen. Ich bin umgezogen, habe meine Telefonnummer gewechselt, meine Vergangenheit begraben. Aber das Grauen ist hartnäckig. Es stirbt nicht. Es wartet . Und es hat mich gefunden. Der Umschlag war alt, vergilbt, riechend nach Schimmel und verbranntem Papier. Ich fand ihn eines Morgens auf meiner Türschwelle. Kein Absender. Nu...

Ein Albtraum wird wahr. – Teil 2: Identitätsbruch

  Ein Albtraum wird wahr. – Teil 2: Identitätsbruch "Wenn du jeden Tag mit einem anderen Bewusstsein aufwachst – wie oft kannst du dann noch behaupten, du selbst zu sein?" 1. Der erste Bruch Die Nacht kam schneller, als ich es wollte. Ich hatte mich mit Energy-Drinks, Tabletten und YouTube-Wahnsinn bis zur völligen Erschöpfung getrieben, aber irgendwann… bin ich eingeschlafen. Als ich aufwachte, war alles... anders . Nicht um mich herum – in mir . Ich sah meine Hände. Fremd. Schlanker. Blasser. Mein Atem war flach, aber kontrolliert. Ich stand auf, mechanisch. Ich wusste, wie man läuft, wie man denkt. Und doch – es waren nicht meine Gedanken . In meinem Kopf war eine Stimme. Meine Stimme , aber… emotionslos. Technisch. Fast wie ein Erzähler. Ich ging ins Bad, schaute in den Spiegel. Mein Gesicht. Und doch... war mein Blick leer. Ich sprach. Nicht in meiner Sprache. Französisch. Fließend. Ich kann kein Französisch . Und auf meinem linken Arm… ...war mit schwarze...

Sie spielen wieder.

  „Sie spielen wieder.“ Eine Creepypasta über Totenbeschwörung mit Kinderspielzeug 1. Ein verfluchtes Kinderzimmer Ich habe nie an Übernatürliches geglaubt. Nicht an Geister, nicht an Dämonen. Schon gar nicht an Totenbeschwörung. Und doch... stehe ich heute hier, mit einer alten Puppe in der Hand, Blut an meinen Fingern, das nicht von mir stammt – und höre aus der Dunkelheit eine Kinderstimme flüstern: „Komm... spiel mit uns.“ Aber vielleicht... sollte ich am Anfang beginnen. Ich bin 29. Heiße Lars. Sozialarbeiter. Mein aktueller Fall war ein siebenjähriges Mädchen namens Maja. Ihre Eltern starben bei einem Autounfall. Sie kam zu ihrer Tante – einer unheimlich blassen Frau mit leerem Blick und einem seltsamen Interesse für Puppen. Ich sollte regelmäßig nach Maja sehen, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung war. Aber nach meinem dritten Besuch begann ich zu bemerken, dass sich etwas komisch anfühlte. 2. Spielzeuge, die sich bewegen Majas Zimmer war… seltsam. Übe...

Ein Albtraum, der wahr wird!

  Ein Albtraum, der sich real materialisiert Ich habe nie an Träume geglaubt. Nicht wirklich. Klar, sie passieren. Jeder hat sie. Manche sind schön, manche seltsam, viele sind vergessen, bevor man richtig wach ist. Aber glauben — dass ein Traum mehr sein kann, dass er etwas ist, das kommt , nicht nur etwas, das war — nein. Nicht bis zu dieser Nacht. Ich bin ein rationaler Mensch. Ich bin Programmierer. Ich denke in Code, in Logik, in Ursache und Wirkung. Wenn ich etwas nicht sehen oder messen kann, dann existiert es nicht. Zumindest dachte ich das. Bevor mein Traum begonnen hat, zurückzublicken . 1. Die erste Nacht Es begann vor knapp zwei Wochen. Ein normaler Tag. Ich saß wie immer viel zu lange vor dem Bildschirm, zuckte bei jeder Slack-Nachricht zusammen, war genervt von meinem Chef, erledigte mein Zeug, ging spät ins Bett. Ich erinnere mich noch, dass ich die letzte E-Mail um 1:07 Uhr abschickte. Danach fiel ich einfach aufs Bett. Ich war erschöpft. Doch in dieser Na...

Schleife aus Selbstmord und Erwachen – Teil 2

Schleife aus Selbstmord und Erwachen – Teil 2 Ich stand mit zitternden Knien auf dem Rand des Daches, atmete schwer und wusste: Ich muss erneut springen. Nicht weil ich sterben will, sondern weil ich zurück muss. Weil die Welt zerbrochen ist und ich in jeder Wiederholung neu anfangen muss, in einer Schleife aus Fall und Wiederauferstehung. Ich wusste, was auf mich wartet – das kalte Warten unter der Brücke, der abgestorbene Betriebskeller, der schwarz glühende Tunnel, die flüsternden Schatten – aber ich war längst nicht mehr derselbe. Ich war die Angst, die gegessen und wieder ausgespuckt wurde. Ich war das Wiedererwarten. Als ich fiel, lief nichts so, wie ich es kannte. Kein Kreischen. Kein Aufschlag. Stattdessen ein Lufthauch, eine Ewigkeit in wenigen Sekunden. Und dann – starres Licht. Ein Gang aus gebrochenem Glas. Der Boden war glitschig. Jede Bewegung schmerzte, weil er keinen Halt gab, kein Echo. Ich schwebte über Schrunden, über tropfende Wände, über schwarzes Wasser, das mic...

Die drei Hexen von Eisenholz – Teil 7: Das Herz schlägt schwarz

  Die drei Hexen von Eisenholz – Teil 7: Das Herz schlägt schwarz Abschnitt 1 – Das Erwachen 8. November – 00:00 Uhr Ich bin der Wald geworden. Oder der Wald ist ich geworden. Es gibt keinen Unterschied mehr. Mein Herz schlägt nicht mehr – zumindest nicht so, wie ich es kannte. Es schlägt schwarz, dumpf, wie ein uraltes, verrostetes Uhrwerk, das in endlosen Schatten tickt. Über mir kreist die Nacht, dichter und schwerer als je zuvor. Die Sterne haben ihren Glanz verloren, als hätten sie Angst vor dem, was sich unter ihrem kalten Licht verbirgt. Die drei Hexen singen – ihr Gesang zerreißt die Luft wie scharfe Messer, die durch mein Fleisch schneiden. "Komm, Elias," flüstert eine Stimme, so alt wie der Wald selbst, "du bist unser Herzschlag, unser Atem, unser Ende." Ich will schreien, will rennen, doch meine Beine sind Wurzeln geworden, tief verwachsen in die schwarze Erde von Eisenholz. Die Dunkelheit kriecht durch meine Adern wie kaltes, fauliges Wasser...